Up and down

Auf dem Camino del Norte: Von Irun nach Santiago in 35 Tagen.
-Folge 4-
Sich einer Gruppe anzuschließen war in jedem Fall eine gute Entscheidung. Man unterhält sich gut und wird praktisch von den Stärksten gezogen. Man läuft, wenn die Gruppe läuft und man pausiert wenn die Gruppe pausiert. Das war in meinem Zustand ideal.
Die Strecke von Deba nach Markina übertraf bisher alles da gewesene. Ich kam mir teilweise vor wie in den Alpen: Sonne, Grüne Wiesen, Wälder und Meer – Ok, das war anders. Ich glaube ich bin noch nie in meinem Leben zuvor knapp drei Stunden lang nur steil bergauf gelaufen, doch die tolle Landschaft und die angenehme Gesellschaft ließen mich meine Füße, Waden und den schweren Rucksack vergessen. Nach 12 Stunden Tiefschlaf, in einer sehr teuren aber empfehlenswerten herberge (Es gibt nur eine in Markina) weckte mich mein Wecker um 8 Uhr und der Regen trommelte an die Fensterscheibe. Der folgende Tag sollte der erste richtige Regentag werden.
Hört sich zwar komisch an, aber ich freute mich darauf. Eine neue Herausforderung. Mit hohen Schuhen, kurzer Hose und Regencape starteten wir zu viert Richtung Guernika. Heute viel mir zum ersten Mal auf, wie schnell sich mein Gemütszustand während des Wanderns änderte. In einem Moment atmet man tief durch und freut sich über die Luft, die nach Regen riecht und nur Sekunden später trottet man auf den Boden starrend vor sich hin.
Wir waren den ganzen Vormittag auf die Landstrasse ausgewichen und das Regencape hatte gute Dienste getan. Doch nach einem tollen Mittagessen in einer kleinen Dorfschänke ging es auf dem Camino weiter, was zu einem richtigen Abenteuer werden sollte: 2 km durch knöchelhohen Matsch stapfen, Bäche die zu reissenden Flüssen mutiert waren mussten wir überspringen oder wenn sie zu breit geworden waren sogar durchqueren (Die Schuhe und Füsse waren sowieso schon nass).
Doch als wir dann am Abend bei einer Flasche Wein über den Tag sprachen war alles nur ein tolles Abenteuer, dass zum Camino dazu gehört und vor allem ein unvergessliches Erlebnis. Trotzdem möchte ich morgen bitte wieder Sonne (-;
- Fortsetzung folgt –
Foto: Aussicht zwischen Deba und Markina by travelpassion (Klick für mehr Bilder)